Torwächters aktuelle Gedanken – Januar 2026
Liebe Bredenbornerinnen und Bredenborner,
seit einigen Jahrhunderten bewache ich diesen schönen Ort. Zusammen sind wir durch viele schöne und auch einige schwere Zeiten gegangen. Eines meiner positiven Highlights war, als sich 1616 ein Verein gegründet hat, um mich bei meiner Aufgabe zu unterstützen. Gemeinsam haben wir viele schöne Stunden verbracht, das Dorf und seine Bewohnerinnen und Bewohner beschützt, anderen geholfen und viel gemeinsam gefeiert.
Was habe ich vor meinen Torwächter-Kumpels geprahlt, aus was für einem tollen Dorf ich komme. So tolle Menschen! Was habe ich geschwärmt, als bei uns quasi eine der ersten Feuerwehren etabliert wurde. Was habe ich in den 1970er Jahren gestrahlt, als in unserer katholischen Kirche schon Mädchen den Messdienerdienst verrichteten und auch Gläubige anderer Konfessionen bei unseren Gottesdiensten mit offenen Armen empfangen wurden. Was haben mich die anderen fragend angesehen, als ich berichtete, dass in Bredenborn die Frauen und Männer schon immer gemeinsam das Schützenfest feiern und es selbst am Montagmorgen kein reines Männer-Besäufnis wie anderenorts ist.
Und jetzt? Ich weiß gar nicht, was ich denen erzählen soll. Die Mitglieder des Vereins, der mich seit über 400 Jahren unterstützt, will keine weiblichen Mitglieder in seinen Reihen sehen? Ich kann das gar nicht glauben und erst recht nicht nachvollziehen.
Von meinem Posten aus beobachte ich Vieles und ich sage euch: Ohne die Frauen wärt ihr aufgeschmissen, liebe Männer! Früher wie heute.
- Heutzutage sind mehr Mädchen als Jungen Messdiener.
- Die Freiwilligen Feuerwehren in der Stadt Marienmünster haben zuletzt mehr Frauen als Männer aufgenommen.
- Der Sportverein hätte ohne Frauen vermutlich nicht einmal halb so viele Mitglieder.
- Der Musikverein ist ohne Frauen nicht mehr spielfähig – und ohne unseren Musikverein wollt ihr sicher kein Schützenfest feiern…
- Und bei euch Schützen:
Wer verleiht einem Hofstaat den strahlenden Glanz?
Wer schmiert die Brötchen beim Schützenfrühstück?
Wer wäscht euch die Wäsche und bügelt für euch das Hemd, mit dem ihr beim Schützenumzug durchs Dorf marschiert?
Wer passt (bei den meisten) auf die Kinder auf, während ihr an einer Vereinsversammlung teilnehmt, auf der ihr beschließt, dass ihr keine Frauen in euren Reihen dulden wollt?
Ich frage Euch, liebe Schützen – die alten wie die jungen – hat es in eurer über 400-jährigen Geschichte nicht schon immer Veränderung gegeben? Wovor fürchtet ihr euch? Was soll Schlimmes passieren?
Ich kann euch sagen, was Schlimmes passieren kann! Wie wäre es mit einem Stadtschützenfest im Sommer, bei denen Frauen weder die Schützenhalle noch den Schützenplatz betreten? Die Instagram-Klickzahlen werden die von Lothe aus 2024 übersteigen – nur aus anderen Gründen und mit anderen Auswirkungen.
Nun, ich habe noch Hoffnung. Vielleicht lag es ja nur an der seit ein paar Tagen defekten Straßenbeleuchtung im Bereich der Schützenhalle, dass ihr die möglichen Konsequenzen eurer Entscheidung nicht erkennen konntet. Dann habt ihr schon bald Gelegenheit, eure Entscheidung zu überdenken. Man ist schon intensiv auf Fehlersuche und bestimmt kommt bald die Be- beziehungsweise Erleuchtung wieder. Es fehlten ja nur wenige Stimmen für ein richtungsweisendes, zeitgemäßes Ergebnis.
Bis demnächst
euer Torwächter
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