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Festansprache zum Libori-Schützenfest am 24.Juli 2011

Liebes Königspaar und Hofstaat, sehr geehrter Herr Pfarrer, verehrter  Herr Bürgermeister, liebe Schützen, liebe Bredenborner  und Gäste, liebe Kinder, sehr verehrte Damen und Herren,

 

es ist schon etwas  Besonderes hier am Ehrenmal zu stehen und die Festansprache anlässlich des Liborischützenfestes halten zu dürfen.  Ich  weiß  diese Ehre zu schätzen, zumal in der Bibel schon  geschrieben steht „ein Prophet  gilt  nirgends weniger als  in seiner Vaterstadt.“

Nun, ich stehe hier auch nicht als Prophet von Bredenborn, sondern als Stadtheimatpfleger von Marienmünster und natürlich als Ortsheimatpfleger von Bredenborn. Ein Prophet schaut in die Zukunft, ich möchte Sie heute mitnehmen auf eine kleine Reise in die Vergangenheit und mit Ihnen in die Geschichte von Bredenborn blicken.

Wer eine Reise solche antritt, sucht der sich Ziele,  Ziele, die ihn besonders interessieren und die er entdecken und erkunden möchte.

Also, auf geht’s !

Als erstes möchte ich mit Ihnen ein Ziel ansteuern, das  ganz in der Nähe liegt. Es geht  an den Bornteich. Klar, den kennt doch jedes Kind, liegt er doch mitten im Ort und  ist zugleich der Namensgeber unserer Ortschaft. Brähenburn heißt es auf Pattdeutsch und meint die breite Quelle, die im  Bereich des  Bangern entspringt. 

In der alten Bredenborner Chronik, die zur Zeit  als Buch vorbereitet wird, heißt es dazu:

„Bredenborn, eine kleine Landstadt im Fürstbistum Paderborn, hat eine nicht unangenehme Lage. Gegen Westen erhebt sich ein Hügel, an dessen Fuße eine große Quelle entspringt, dem Bredenborn wahrscheinlich seinen Namen verdankt. Das Bett des gleich starken Baches ist merkwürdig in seiner Lage und liefert sehr guten und vielen Karpfen. Schon auf 200 Schritte werden von seinem Wasser zu jeder Jahreszeit und dann noch, wenn in der ganzen Gegend kein Wasser ist, Mühlen getrieben“.
  
Ganz in der Nähe  dieser vorzüglichen Lage,  erfolgte schon sehr früh, wahrscheinlich um die Jahrtausendwende oder noch früher,  die erste  bäuerliche Ansiedlung in Form eines Wirtschaftshofes des Paderborner Bischofs.  Die von Bischof  abhängigen Bauern bewirtschafteten die umliegenden fruchtbaren  Felder und im Gegenzug zahlten sie  dem Bischof Abgaben.
Zur gleichen Zeit befanden sich in unmittelbarer Umgebung weitere,  bis zu 15 Siedlungen, die zum Teil schon im 7 oder 8 Jahrhundert existierten. Drei  von Ihnen sind uns namentlich vertraut. Es handelt sich um Hobrexen, entlang des Beberbachs zwischen dem heutigen Bredenborn und Entrup, Bruchhausen in der Nähe des Großen Gottes an der Straße nach Sommersell und die Sillewart, gleich hier an der Kirche gelegen.  Diese  drei Kleinstsiedlungen waren  jedoch spätestens im 16. Jahrhundert untergegangen.  Die Bewohner waren größtenteils in die  befestigte Anlage Bredenborn umgesiedelt , die im  Jahre 1332  von dem Abt Hermann von Marienmünster angelegt worden war und aus einem Amtshaus, einer Kapelle und  elf Häusern, umschlossen von einem Wassergraben mit zwei Zugtoren, bestand. Fortan nannte sich Bredenborn  dann auch Stadt.
Der Abt von Marienmünster musste aus finanziellen und politischen Gründen 1341 Bredenborn  an den Fürstbischof  von Paderborn abtreten. Die Mönche von Marienmünster waren jedoch  weiterhin für die  die Seelsorge zuständig. Bredenborn blieb bis 1401 bischöflich, wurde dann aber an die Familie von Haxthausen verkauft, die es  bis 1582 behielt und dann wieder an den Bischof gegen Besitzungen in Vörden und einer Summe von 17010 Taler an den Bischof zurückverkaufte.  Im Jahre 1618 schenkte der Paderborner Bischof Ferdinand kurz nach seinem Amtsantritt die Stadt Bredenborn seinem Domkapitel. Bredenborn war somit neben Lippspringe die zweite domkapitularische  Stadt und stellte eine bedeutende Einnahmequelle für die Paderborner dar. Der Besitz umfasste immerhin 345 Morgen besten Landes und 600 Morgen Wald.
Das Sprichwort: unter dem Krummstab ist gut wohnen, bewährte sich auch also auch hier. Marienmünster und Paderborn blieben für Bredenborn  bis heute zumindest  wichtige religiöse Orientierungspunkte.

Unsere Reise führt uns weiter an den Franzosenteich, wahrlich keine Weltreise, sondern nur ca. 1 km westlich von Bredenborn gelegen, umgeben von einem kleinen Wäldchen in idyllischer Lage.  Der Radweg nach Nieheim führt an diesem Wäldchen vorbei  und  das dortige Sportgelände der SV Germania Bredenborn wird  nicht ohne Stolz Eichenwaldstadion genannt.

Wer weiß noch, dass die Namensgebung des Franzosenteiches zurück auf Ereignisse in der Zeit von 1756 bis 1763 geht, dem sogenannten Siebenjährigen Krieg.  Französische und englische Soldaten durchstreiften das Paderborner Land und hinterließen ihre Spuren. Es wird berichtet, dass  in dieser Zeit ungefähr 12000 Mann des französischen Heeres  auf dem Bornfelde lagerten, also ganz in der Nähe des Franzosenteiches. 1757 erbeuteten englische Truppen sämtliches Getreide  und die Früchte aus den Gärten. Dem Amtmann von Bredenborn  sollen sie  in einer Nacht 12 Schafe aus seinem Stall gestohlen haben. Den Bauern blieb nicht viel übrig und das Getreide stand sehr hoch im Preise. Krankheiten waren an der Tagesordnung und 30 französische Soldaten starben hier in Bredenborn während des  Krieges auf einem Kornboden  an Typhus. In der Nähe des Hofes wurden sie  beerdigt. 

Trotz großer Beeinträchtigungen und landesweiter Umwälzungen setzte in den Folgejahren in Bredenborn eine rege Bautätigkeit ein.  Wohnhäuser und Scheunen entstanden. Im Jahre 1803 zählte Bredenborn bereits 154 Häuser und 787 Einwohner. Viele  neu errichtete Bauernhäuser waren Ausdruck eines unverwechselbaren Lebensgefühls. Kirche und Gemeinschaft waren eng miteinander verwoben und bildeten den Grundstein eines  Werte bestimmten christlichen Lebens.

Das dritte Ziel;

Reisende besichtigen gerne Kirchenbauten. Wir auch. Es geht zur Liborikapelle. Schon sehr früh wird in Bredenborn, vermutlich wegen der engen Bindung an Paderborn,  der hl. Liborius verehrt. Es wird auch eine Kapelle zu Ehren des Heiligen erbaut, die im dreißigjährigen Krieg wieder zerstört wird.

Obwohl die alte Kapelle verschwunden ist, blieb doch die Verehrung des hl. Liborius lebendig. Die  Freifrau von Oeynhausen auf Eichholz schenkte  Bredenborn 1747  anlässlich der ersten Feier der Liborianischen Bruderschaft, quasi zum ersten Liborifest,  eine Liboriusreliquie.  Der  Amtmann Düsenberg aus Bredenborn ließ  zur Aufbewahrung der Reliquie  eigens eine Büste anfertigen,  die noch heute in der Pfarrkirche zu bewundern ist. Die jetzige Liborikapelle wird 1812 erbaut, allerdings ohne Turm und Glocke. Im Jahre 1871 sind eine Anzahl Bredenborner auf dem Gussstahlwerk in Bochum beschäftigt. Diese lassen eine Glocke für die Liborikapelle gießen und stiften sie der Pfarrgemeinde. 200 Jahre wird sie im nächsten Jahr alt. Sie ist und bleibt, nicht nur durch die alljährlichen Liboriprozessionen,  sondern auch durch regelmäßige  Gottesdienste,  und Andachten, ein Zeichen  religiöser Verehrung und Traditionspflege.

Wir sind schon wieder auf dem Rückweg und besuchen unser  letztes Etappenziel: Die Bredenborner Schule. Nein, nicht die in der Kolpingstraße, sondern gleich hier gegenüber. Ein  ehrwürdiger  Bau, wie ich finde,  zeugt er doch davon, dass  Bredenborn schon sehr früh viel Wert auf die Bildung seiner Kinder gelegt hat. In der Chronik ist verzeichnet, dass bereits 1780  ein Schulbau existierte. Die Grundsteinlegung der gegenüberlegenden Schule erfolgte im Jahre 1843 unter feierlicher Beteiligung des Bürgermeisters Menne, des Pfarrers Bredewald  und der hiesigen Schuljugend.  Die Bauausführung lag in Händen des Unternehmers Maurermeister Conrad Wolff.  Wie es geschrieben steht, begaben sich“ arbeitslustige Maurer mit Eifer und Munterkeit  an ihr Tagwerk und bald ragte das Mauerwerk über die Erde hervor.“

Am 30. August 1844 konnte der neue Schulbau bereits mit einem feierlichen Hochamt  eingeweiht werden. Der Chronist  stellte fest:  „Das Haus ist massiv ausgeführt und eine Zierde des Ortes. Möge es Jahrhunderte zum Segen der Nachwelt stehen“.

Wie in der Chronik zu lesen ist,  erfuhr  gleiches Lob  der zweite Schulbau in Bredenborn.  Auf dem Gelände der ehemaligen Sparkasse wurde  um die  Jahrhundertwende ein neues Schulgebäude errichtet und musste bereits 1925 erweitert werden.  Im Jahre 1966  feierten die Bredenborner  die Einweihung der Schule in der Kolpingstraße. Fast 250 Jahre Schulgeschichte in Bredenborn, dass ist schon etwas Besonderes. Sorge macht uns heute der demographische Wandel, Häuser stehen leer, Schulen sollen geschlossen werden  und junge Menschen zieht es Gebiete, die Arbeit und Auskommen versprechen. 

Richten wir den Blick dennoch nach vorne und sehen die Möglichkeiten, die sich
uns bieten.

Auch hier geht es weiter, vielleicht anders als wir denken.  Die Geschichte zeigt, es gab immer Zeiten  mit Rückschlägen und Umwälzungen, aber auch Zeiten des Aufbruchs und der Erneuerung.  Bei aller Besinnung auf Vergangenes bleibt,  dass die Bredenborner stets zusammen standen und ihren Ort zu  einem lebenswerten  und liebenswerten Platz auf Gottes weiter Welt gemacht haben. Möge Bredenborn, diese breite Quelle der Gemeinschaft und  Verlässlichkeit, niemals versiegen.

Und so wünsche
ich dem Jungschützenverein, dem Königspaar mit Hofstaat, allen Bredenbornerinnen und Bredenbornern  sowie unseren  Gästen ein stimmungsvolles und fröhliches Fest und möge die Tradition des Libori-Schützenfestes in Bredenborn auf  lange Zeit fortbestehen.

Vielen Dank

Josef Grabbe, Ortsheimatpfleger