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Wapppen von Bredenborn
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Eine zweite Stadt des Domkapitels

von

Prof. Dr. Wilhelm Hagemann
in: wo die lippe springt;  Informationen des Heimatvereins Bad Lippspringe e.V, Ausgabe 20, 1995, S. 29f

Im nun langsam dem Ende zugehenden Jahr 1995 hat Lippspringe den 550. Jahrestag der Verleihung seiner Stadtrechte durch das Paderborner Domkapitel gefeiert. Von 1445 bis zum Ende des Fürstbistums Paderborn im Jahre 1803 war Lippspringe die Stadt des Domkapitels. Bis zum Jahre 1618 war es auch die einzige domkapitularische Stadt. Dann aber erhielt Lippspringe „Konkurrenz", denn der Paderborner Bischof schenkte seinem Domkapitel, also der Gemeinschaft der an der Bistumsverwaltung beteiligten hohen Geistlichen, eine zweite Stadt, nämlich Bredenborn im heutigen Kreis Höxter.

Der Ort Bredenborn hat seinen Namen von dem dort vorhandenen „breiden Born", also der starken Quelle. Von daher ergibt sich eine gewisse Parallele zu Lippspringe. Die Bezeichnung „Born" für Quelle deutet dabei - wie im Namen Paderborn - auf eine fränkische Namensgebung hin. Bei sächsischem Urspung des Namens müsste es „Spring" heißen, wie im Namen Lippspringe.

Urkundlich ist Bredenborn erstmals 1128 nachweisbar, als der Stifter des Klosters Marienmünster, Graf Widukind von Schwalenberg, das neugegründete Kloster auch mit Gütern und dem Zehnten in Bredenborn ausstattete. In den unsicheren Jahren zu Beginn des 14. Jahrhunderts, als auch die Burg Lippspringe entstand, baute Abt Hermann von Mengersen die dem Kloster Marienmünster gehörenden Dörfer Bredenborn und Vörden zu Städten aus. Dazu wurden die Orte mit Mauer und Graben umgeben sowie eine Burg innerhalb der Mauern errichtet. Bredenborn war dabei eine Ministadt, denn es umfasste nur 11 Bauernstellen. Der Abt erfreute sich allerdings nicht lange am Besitz der beiden Städte, denn der Paderborner Bischof sah das offenbar als Beeinträchtigung seiner Stellung als Landesherr an, dem allein das Befestigungsrecht zustand. Dieses Recht hatten die Paderborner Bischöfe erst wenige Jahrzehnte vorher zugesprochen bekommen, nachdem es ihnen zunächst bis 1180 Heinrich der Löwe als Herzog von Sachsen und danach die Erzbischöfe von Köln als Rechtsnachfolger Heinrichs streitig gemacht hatten. So musste Marienmünster 1324  zunächst die größere Stadt Vörden und 1341 auch die Stadt Bredenborn an den Bischof abtreten. Dafür erhielt das Kloster aber das Pfarrrecht in einer ganzen Reihe von Orten einschließlich der Landausstattung und der sonstigen Einkünfte der Pfarrstellen sowie zahlreiche Zehnten.

Bredenborn blieb bis 1401 bischöflich, wurde dann aber an die Familie von Haxthausen verkauft, die es bis 1582 behielt und dann dem Bischof gegen Besitz und Rechte in Vörden und eine Summe von 17010 Taler zurück verkaufte. Im Jahre 1618 schenkte schließlich der Paderborner Bischof Ferdinand. Herzog von Bayern, der auch Erzbischof von Köln war, kurz nach seinem Amtsantritt dem Domkapitel die Stadt Bredenborn. Wahrscheinlich war das eine Bedingung des Domkapitels für seine Wahl gewesen.

Diese nunmehr zweite Stadt des Domkapitels war zwar von der Größe her nicht mit Lippspringe vergleichbar. Gleichwohl stellte der Besitz eine bedeutsame Einnahmequelle dar. Da ist zunächst das von einem Amtmann verwaltete domkapitularische Burggut zu sehen. Im Jahre 1803, als der neue Landesherr Preußen das Gut beschlagnahmte, umfaßte dieses immerhin 345 Morgen besten Landes (überwiegend Lößlehm) und fast 600 Morgen Wald. Auch der Zehnte aus der großen, fruchtbaren Feldmark des Dorfes Bredenborn war eine erhebliche Einnahmequelle des Domkapitels.
So hat das Paderborner Domkapitel also über fast 200 Jahre hinweg zwei Städte besessen. Davon war das kleinere Bredenborn als Stadt sogar gut 100 Jahre älter als Lippspringe