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Wapppen von Bredenborn
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Schützenfest 1924

 

Bredenborn, 31. Juli 1924

 

Am 27., 28. und 29. Juli feierte die heilige „Alte Schützengesellschaft“ ihr diesjähriges Schützenfest, das mit der Jubiläumsfeier der 150jährigen Wiederkehr ihrer Fahnenweihe verbunden war. Die Fahne trägt die Jahreszahl 1774. Sie ist das älteste Zeichen, das uns erhalten ist. Die Statuen stammen erst aus dem Jahre 1850. Die älteren Urkunden sind leider bei einem Brande vernichtet. So weiß man nichts Genaues über das Gründungsjahr. Der Verein besteht aber sicher schon mehrere Jahrhunderte, da doch unser Ort, die ehemalige domkapitularische Stadt Bredenborn, vor ungefähr 600 Jahren vom Kloster Marienmünster aus gegründet wurde.

 

Am Sonntag nach der üblichen kirchlichen Liborifeier traten die Schützen um 2 ¾ Uhr an, um den Schützenkönig Herrn August Potthast abzuholen. Nachdem letzterer die Front abgeschritten und die Schützen begrüßt hatte, setzte sich der Zug in Bewegung. Die ehrwürdige Fahne, die durch die Jubiläumsschleife geschmückt war, wurde dem Zuge voran getragen. Im Zelte angekommen, hielt der Herr Gemeindevorsteher Vandieken die Festrede. Er begrüßte zunächst die Erschienenen, und ging dann auf den Zweck der früheren Schützenvereine ein. Sie wurden gegründet, um die Mitglieder im Gebrauch der Waffen zu unterweisen und zu üben. Deshalb ging dem eigentlichen Feste ein Scheibenschießen voraus, das in Bredenborn schon am 2. Pfingsttage geschehen ist. Die Schützengesellschaften sollten besonders die enge Heimat in den früheren unsicheren Zeiten vor den Überfällen der Raubritter schützen und im Kriegsfalle als Landwehr dienen. Deshalb standen sie unter dem besonderen Schutze der Landesherren, die ihnen besondere Rechte einräumten, die kein anderer Verein besaß. So durften die Offizianten  bis zum Kapitän aufwärts in den Stadt- bzw. Gemeindevertretungen mitberaten, ja sogar mit abstimmen. Der Redner ging nun auf einige Einzelheiten aus der älteren Geschichte Bredenborns ein, wünschte dem Fest einen guten Verlauf und schloss mit einem Hoch auf den Verein.  Mit donnerndem Beifall stimmten die Anwesenden Nichtschützen in das Hoch ein.Nun begann der gemütliche Teil der Feier.

 

Der Montag  Vormittag vereinigte die Schützenbrüder, nachdem sie bei ihren Hauptleuten gefrühstückt hatten, zu einem Konzert der Musikkapelle verbunden mit Freibier auf einige Stunden in der Festhalle. Des Nachmittags war die Neuaufnahme der Jung-Verheirateten. Es war eine stattliche Zahl, da der Verein seit 14 Jahren sein erstes Fest wieder feierte. Nun wurde die Fahne über ihnen geschwenkt und ihnen die Statuten verlesen.

Darauf machten sämtliche Frauen unter Anführung der Hebamme einen Zug durchs Dorf.

In der Wirtschaft Kirchhoff versorgten sie sich mit Schnaps. Einige Schalkhafte hatten sich zuvor mit Kaffee gefüllte Kognakflaschen besorgt. Im Zelte angekommen tanzte die Hebamme, nach alter Sitte.  Diese Tänze lösten eine allgemeine Heiterkeit aus. Während dessen gingen die Frauen umher und schenkten den Geliebten oder Gehassten unter der Männerschaft entweder Kognak oder Kaffee ein. Nun durften die Junggesellen den Frauen ihre Flaschen fortnehmen. Aber nur wenige hatten das Glück, eine Kognakflasche zu erobern, da die meisten mit Kaffee gefüllt waren.

Der Dienstag brachte auch den Kindern ihre Freude. Die Herren Lehrer veranstalteten Kinderbelustigungen, zu denen der Festverein  bereitwillig  die Geldmittel  zur Verfügung gestellt hatte.

So verlief dieses Fest zu aller Zufriedenheit, und es dürfte noch lange bei allen Teilnehmern in gutem Andenken bleiben.

 

( Anton Keck,  Chronik Bredenborn 1825-1949)